Silber. Eine Münzstätte, die den Prager Groschen schlug und Mitteleuropa beherrschte. Die zweitgrößte Königsstadt nach Prag. Zwei eigenständige UNESCO-Stätten — der gotische Dom der heiligen Barbara im Zentrum und die Kathedrale in Sedlec mit der angrenzenden Knochenkirche.

Kutná Hora ist eine historisch vielschichtige und fotogene Stadt. Wenn ihr in Prag seid und mehrere Tage in Tschechien habt, dann fahrt hin — ihr werdet es bestimmt nicht bereuen.

Hier schreibe ich kurz über Kutná Hora — die wichtigsten Orte, die ihr besuchen solltet, und wie ihr aus Prag dorthin kommt. Dieser Artikel könnte sonst sehr lang werden, denn Kutná Hora hat wirklich viel zu bieten.

Wie kommt ihr hin?

Zwei Möglichkeiten, ähnlich wie bei Karlštejn.

Option 1: Selbst mit dem Zug

Der einfachste und günstigste Weg. Die Tschechischen Bahnen (České dráhy) fahren etwa stündlich, in der Hauptverkehrszeit auch dichter, vom Prager Hauptbahnhof (Praha hlavní nádraží) nach Kutná Hora hl. n. Direkte Schnellzüge schaffen die Strecke in 49–55 Minuten.

  • Preis Einzelfahrt: ab CZK 50 — hin und zurück also rund CZK 100 (etwa 4 €)
  • Erster Zug aus Prag: gegen 6:00 Uhr
  • Letzter Zug zurück: gegen 21:00 Uhr
  • Ticket: am Schalter, am Automaten oder über die App „Můj vlak” (My Train)

Vom Bahnhof aus sind es:

  • 10 Minuten zu Fuß zur Knochenkirche (geradeaus die Zámecká-Straße entlang)
  • 8 Minuten mit Bus 1 oder 4 ins historische Zentrum
  • 30 Minuten zu Fuß ins Zentrum

Es gibt noch einen Bahnhof Kutná Hora město direkt im Zentrum, aber die meisten Züge aus Prag fahren ihn nicht an.

Option 2: Organisierte Tour ab Prag

Wenn ihr keine Lust habt, euch um Fahrpläne und Ticket­reservierungen zu kümmern, und lieber einen deutschsprachigen Reiseleiter dabeihabt — eine Halb- oder Ganztagestour ab Prag ist die bequemste Lösung. Bus-Transfer, Eintritte bezahlt, Reiseleiter führt euch durch die wichtigsten Stationen. Bei Kutná Hora ist diese Variante logistisch deutlich angenehmer als bei Karlštejn — die Stadt ist auseinandergezogen, mit Reiseleiter spart ihr euch viel Suchen und Laufen.

Die wichtigsten Stationen

Kutná Hora teilt sich in zwei Teile: Sedlec (wo ihr aus dem Zug aussteigt — Knochenkirche und Kathedrale Mariä Himmelfahrt und des heiligen Johannes des Täufers) und das historische Zentrum (Dom der heiligen Barbara, Silbermuseum, Welscher Hof).

Tipp zum Eintritt: Kombiticket

Wenn ihr die Knochenkirche und die Sedlecer Kathedrale besuchen wollt, lohnt sich das Kombiticket:

Stand 2026

  • Erwachsene: CZK 220 / 9 € (CZK 150 / 6 € für Senioren und Studenten, Kinder CZK 80 / 3 €)
  • Buchung: online auf sedlec.info

Knochenkirche in Sedlec

Ich beginne mit einem wichtigen Hinweis: Die Eintrittskarte für die Knochenkirche müsst ihr vorab für ein konkretes Datum und eine konkrete Uhrzeit buchen.

Zweiter Hinweis: Im Inneren ist Fotografieren verboten. Das ist keine Bürokratie — die Knochenkirche ist ein funktionierender sakraler Raum und die letzte Ruhestätte von etwa vierzigtausend Menschen.

Was ihr seht: die Kapelle unter der Friedhofskirche Allerheiligen, in der die Knochen kunstvoll zu dekorativen Formen angeordnet sind — vier große Pyramiden in den Ecken, ein Kronleuchter aus allen Knochen des menschlichen Körpers, das Schwarzenberg-Wappen aus Schädeln. Das Arrangement stammt aus dem Jahr 1870 vom tschechischen Schnitzer František Rint. Die Atmosphäre ist eindringlich; die Leute hier schweigen. Der Aufenthalt in der unteren Kapelle ist auf 30 Minuten begrenzt, in der oberen Kapelle (Kirche Allerheiligen) ohne Begrenzung.

Aktuell laufen in der Knochenkirche Restaurierungsarbeiten, die seit 2014 andauern und voraussichtlich Ende 2030 abgeschlossen sein sollen. Wegen der Rekonstruktion erfolgt der Zugang über eine provisorische Holztreppe — darauf müsst ihr euch beim Besuch einstellen.

  • Geöffnet: täglich 9:00–18:00 Uhr (April–September), 9:00–17:00 Uhr (März, Oktober), 9:00–16:00 Uhr (November–Februar)
  • Geschlossen: 24. 12.
  • Reservierung: am besten online auf sedlec.info

Kathedrale Mariä Himmelfahrt und des heiligen Johannes des Täufers (Sedlec)

Etwa hundert Meter von der Knochenkirche entfernt. Wesentlich bedeutender, als sie von außen wirkt — sie ist die zweite UNESCO-Stätte Kutná Horas (neben dem Dom der heiligen Barbara und dem historischen Zentrum) und ein einzigartiges Beispiel für Barockgotik von Jan Santini-Aichl. Sie verbindet gotische Vertikalität mit barocker Dynamik.

Der Eintritt ist im Kombiticket enthalten — es gibt also keinen Grund, sie auszulassen. Wichtiger Unterschied zur Knochenkirche: Für die Sedlecer Kathedrale braucht ihr keine Reservierung — ihr könnt während der Öffnungszeiten jederzeit hineingehen.

Achtung: gelegentlich am Wochenende geschlossen. Sedlec.info weist aktuell darauf hin, dass die Sedlecer Kathedrale an manchen Terminen freitags, samstags und sonntags geschlossen ist — meist wegen Wallfahrtsveranstaltungen. Vor der Anreise kurz auf sedlec.info nachschauen.

Dom der heiligen Barbara

Das Hauptanziehungsstück Kutná Horas und der Grund, warum viele Besucher wiederkommen. Eine fünfschiffige gotische Kathedrale, geweiht der Schutzpatronin der Bergleute; der Bau begann 1388 und wurde erst zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert vollendet — fünf Jahrhunderte mit Unterbrechungen.

Der Weg vom Welschen Hof zum Dom führt über die Barborská, gesäumt von Jesuitenstatuen. Der Blick zurück auf die Stadt von den Terrassen am Dom gilt für viele als das beste Fotomotiv in Kutná Hora.

Der Dom der heiligen Barbara mit seinen charakteristischen Zeltdächern, Kutná Hora

  • Geöffnet: täglich — April–Oktober 9:00–18:00 Uhr, November–März 10:00–16:00 Uhr. Letzter Einlass 30 Minuten vor Schließung.
  • Geschlossen: nur 24. 12. (die Öffnungszeiten können wegen Hochzeiten und feierlicher Gottesdienste angepasst werden)

Tschechisches Silbermuseum

Zwischen dem Welschen Hof und dem Dom der heiligen Barbara befindet sich ein einst bewohnter gotischer Palast, der Jan Smíšek von Vrchoviště gehörte — heute ein Museum mit zwei Ausstellungen.

Zwei Führungsrouten:

  • Route I — Stadt des Silbers: Geschichte Kutná Horas, Numismatik, Geologie. Ca. 1 Stunde. Ohne Bergwerksabstieg, als selbstständige Besichtigung.

  • Route II — Weg des Silbers: Abbau und Verarbeitung von Silber, Münzprägung, plus Abstieg in das mittelalterliche Bergwerk — den St.-Georgs-Stollen, etwa 250 m lang und 35 m tief. Ihr durchquert einen authentischen mittelalterlichen Stollen. Ca. 90 Minuten.

  • Geöffnet: für aktuelle Öffnungszeiten am besten auf cms-kh.cz schauen

  • Reservierung: vorab auf cms-kh.cz empfohlen — das Bergwerk hat begrenzte Gruppengrößen und ist in der Saison schnell ausgebucht

  • Eintritt: je nach Tour — Details auf cms-kh.cz

Welscher Hof (Vlašský dvůr)

Die ehemalige königliche Münzstätte am Havlíčkovo náměstí, in der der Prager Groschen geprägt wurde — die Währung, die Mitteleuropa vom 14. bis 16. Jahrhundert beherrschte. Heute befinden sich hier ein Münzmuseum und Räume der einstigen königlichen Residenz. In einem Teil des Gebäudes hat zugleich das Rathaus von Kutná Hora seinen Sitz.

Auf den ersten Blick weniger dramatisch als Hrádek oder der Dom der heiligen Barbara, aber historisch der wichtigste Ort der Stadt: Hier wurde über die wirtschaftliche Steuerung des gesamten Königreichs entschieden. Wenzel II. führte hier 1300 die Münzreform ein, die kleinere Münzstätten im ganzen Königreich abschaffte und die Prägung hier konzentrierte. Wenzel IV. unterzeichnete hier 1409 das Kuttenberger Dekret, das die Verhältnisse an der Prager Universität veränderte.

  • Geöffnet: täglich, saisonal wechselnde Zeiten. Mittagspause 12:15–13:00 Uhr. Letzter Einlass 45 Minuten vor Schließung.
  • Eintritt: CZK 50–220 je nach gewählter Route. Mehr auf der offiziellen Seite pskh.cz
  • Reservierung: für größere Gruppen empfohlen

In Kutná Hora könnt ihr einen halben Tag, einen ganzen Tag oder zwei Tage verbringen — das hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit ihr in Tschechien habt. Die meisten Besucher entscheiden sich für einen Tag, was ich ebenfalls empfehlen würde. Kutná Hora bietet noch viel mehr, als ich hier erwähnt habe, und wegen der historischen Vielfalt empfehle ich, diesen Ausflug mit einem Reiseleiter zu unternehmen.

Praktische Tipps

Wann hinfahren? April, Mai, September, Oktober sind ideal — anständiges Wetter, weniger Reisegruppen. Im Sommer ist es voll, vor allem an Wochenenden im Juli und August, wenn sich vor der Knochenkirche eine Schlange auf den Reservierungs-Slot bildet. Im Winter ist die Atmosphäre in der Sedlecer Knochenkirche ruhig und im Zentrum völlig leer — aber Hrádek (das Silbermuseum) ist vom 12. Januar bis 2. März geschlossen, und der Dom der heiligen Barbara hat kürzere Öffnungszeiten (10:00–16:00 Uhr).

Montag? Wenn ihr ins Bergwerk in Hrádek wollt, fahrt nicht montags — das Museum ist geschlossen. Knochenkirche und Dom der heiligen Barbara sind montags geöffnet.

Wo Mittagessen? Im Zentrum, nicht direkt an der Knochenkirche. Dačického dům neben dem gleichnamigen Museum ist eine solide Wahl mit tschechischer Küche. Pivnice Dačický — eine traditionelle Hospoda mit dem Bier Kutnohorský Lev. Restaurace U Kata — gute tschechische Küche.

Geld? Karten funktionieren überall, auch in den Museen. Geldautomaten gibt es im Zentrum und am Bahnhof. Bargeld solltet ihr trotzdem dabeihaben — manche Hospodas und kleinere Läden nehmen keine Karten.

Zum Schluss

Wenn ihr in Prag seid und mehr als drei Tage habt, schaut euch in Kutná Hora zumindest die Knochenkirche, die Sedlecer Kathedrale und den historischen Teil der Stadt an. Diese Stadt bietet viele wunderschöne und interessante Orte und ist bei Reisenden sehr beliebt.

Šťastnou cestu!